Die Europaische Bibliothek in Rom (21 marzo 2006)

Die Ungarische Akademie, die Französische Botschaft, die Botschaft der Niederlande, die Botschaft der Schweiz, der British Council, das Österreichische Kulturinstitut, das Goethe-Institut, das Istituto Cervantes, das Polnische Institut und das Slowakische Institut, in Zusammenarbeit mit der Institution Biblioteche del Comune di Roma (und mit dem Ziel, die Zusammenarbeit auf alle der Europäischen Union angehörenden Länder auszuweiten), haben eine Kooperation für den Aufbau der Europäischen Bibliothek ins Leben gerufen. Ziel der Europäischen Bibliothek ist es, die einzelnen Kulturen und Sprachen der Mitgliedstaaten zu fördern und zum Aufbau Europas und zur Schaffung eines europäischen Bewusstseins der italienischen und ausländischen Bürger beizutragen.

1. Einleitung

Der politische Prozess bis hin zur Verwirklichung der Europäischen Union, die inzwischen 25 Staaten zählt und weiteren Beitritten offen gegenübersteht, hat zu einem stabileren Europa geführt, das auch im Kontext der Weltgemeinschaft an politischer Macht gewinnt. Die der EU angehörenden Staaten teilen Wertvorstellungen sowie politische und ökonomische Anschauungen und der größte Teil unter ihnen verfügt über eine einheitliche Währung. Im Einigungsprozess ist die Rolle der Kultur nicht zu unterschätzen.
Zahlreiche Veranstaltungen und Projekte in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zielen auf den Schutz der kulturellen Vielfalt in Europa und fördern den Austausch und Dialog zwischen den Kulturen. Informationsaustausch und Kenntnisse über die künstlerische Produktion in anderen europäischen Staaten unterstützt die Bildung einer gemeinsamen Identität und fördert bei den Bürgern das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. Zur Entwicklung einer starken Verbindung zwischen den europäischen Sprachen und Kulturen sind sichtbare Aktionen im Inn- und Ausland erforderlich. Es bedarf außerdem innovativer Kooperationsformen zwischen verschiedenen Institutionen der Europäischen Staaten, die im Kunst- und Kulturbereich arbeiten und somit einen gemeinsamen beruflichen Hintergrund haben.
Derzeit werden Dokumente wenigstens teilweise von den zahlreichen in Europa verbreiteten Bibliotheken bereitgestellt und der Bedarf an Informationen durch die im Internet zur Verfügung gestellten Kataloge einzelner Bibliotheken oder verschiedener Bibliotheksverbünde gedeckt. Wichtige Bestände werden digitalisiert und sind vom Netz aus zugänglich. Die aktuellen Gegebenheiten im kulturellen und bibliothekarischen Bereich führten bei vielen europäischen Institute und Kulturabteilungen zur Einsicht, dass eine Ausweitung des eigenen Tätigkeitsfeldes notwendig ist. Die eigene Kultur soll auch als Teil der europäischen Kultur Ausdruck erfahren.
In Zusammenarbeit mit der Institution Biblioteche del Comune di Roma soll das Bedürfnis nach Wissensgewinnung und kulturellen Beziehungen im europäischen Rahmen befriedigt werden. Ferner sollen Möglichkeiten zum Erlernen neuer Sprachen und zur Vertiefung der Kenntnisse in den weit verbreiteten Sprachen geschaffen werden, nicht zu letzt deshalb, weil es eine dringende Nachfrage nach diesen Fähigkeiten gibt.
Die Europäische Bibliothek in Rom soll nicht nur ein Ort sein, an dem physische Dokumente bereitgehalten werden, sondern darüber hinaus ein Ort des ZUGANGS zur Kenntnis der europäischen Kulturen und Sprachen. Sie kann als PROTOTYP für zukünftige „Europäischen Bibliotheken“ mit gleicher Zielsetzung in anderen Städten des Kontinents dienen. Ferner könnte sich die Europäische Bibliothek in Rom zu einem Modell für ein „Instituts der europäischen Kulturen und Sprachen“ entwickeln, nach dem sich die Europäische Union richten könnte, um eine kulturelle Präsenz in außereuropäischen Ländern zu organisieren.
Die generellen Richtlinien werden von einem wissenschaftlichen Beirat festgelegt, der für eine gerechte Repräsentanz aller Institute einsteht.

2. Zielsetzung

Mit der Europäischen Bibliothek wird in der italienischen Hauptstadt eine öffentliche Einrichtung zur Förderung von Kultur und Sprache der einzelnen europäischen Staaten gegründet. Sie soll Italienern und Bürgern anderer europäischer Staaten dabei helfen, ein Bewusstsein für die europäische Identität zu entwickeln.
Die Europäische Bibliothek ist weder eine spezialisierte Einrichtung noch eine wissenschaftliche Bibliothek, sondern eine im weitesten Sinne öffentliche, dem Netz der römischen Kommunalbibliotheken angehörende Bibliothek. Sie stellt kein „fertiges Produkt“ dar, sondern weist eine offene Struktur auf, die sich erweitern und an den Bedarf der Nutzer anpassen wird. Die Bibliotheksarbeit wird sich auf die Anwendung moderner Informationstechnologien stützen. Ein qualifizierter Informationsdienst wird den Nutzern Orientierung geben und ihnen den Zugang zu den vorhandenen Ressourcen erleichtern. Die Europäische Bibliothek setzt sich zum Ziel:
    - einen Bestand von 28.000 Medien aufzubauen,
    - die Webseite www.bibliotecaeuropea.ita aufzubauen, welche als Informationsmittel dient und sowohl        der Bibliothek als auch ihren Gründern Sichtbarkeit   verschafft und Dienstleistungen anbietet,
    - eine Abteilung für Kinder und Jugendliche einzurichten und zusätzlich Aktionen anzubieten, die ein           europäisches Gemeinschaftsgefühl bei dieser Zielgruppe fördern,
    - Veranstaltungen zur Förderung der europäischen Kultur- und Künstlerszene und des interkulturellen           Dialogs anzubieten, wobei die neuen europäischen Länder einen Schwerpunkt bilden sollen,
    - den Kenntnis- und Erfahrungsaustausches von Fachspezialisten im Bereich der europäischen                        Informationstechnologien zu unterstützen.

3. Projektförderung - Partner

Die Europäische Bibliothek wird von den in Rom ansässigen europäischen Kulturinstituten bzw. den Kulturabteilungen der entsprechenden diplomatischen Vertretungen in Zusammenarbeit mit der Institution Biblioteche del Comune di Roma gegründet.
Förderer des Projektes sind: die Abteilung Sistema Biblioteche der Römischen Stadtverwaltung, die Ungarische Akademie, die Französische Botschaft, die Niederländische Botschaft, die Schweizer Botschaft, der British Council, das Österreichisches Kulturforum, das Goethe-Institut, das Instituto Cervantes, das Polnisches Institut und das Slowakische Institut.
Potentielle Partner sind:
a) alle Institute und Kulturabteilungen der 25 Mitgliedstaaten der Europäischen Union mit Niederlassung in Rom;
b) andere Länder, die der Europäischen Union beitreten möchten bzw. enge nachbarschaftliche Beziehungen zur EU pflegen.

4. Zielgruppen

Die Europäische Bibliothek richtet sich nicht nur an römische und italienische Bürger, sondern auch an Ausländer, die Informationen über Italien oder auch Tageszeitungen in der eigenen Sprache suchen. Junge Menschen und Studenten stellen eine besonders wichtige Zielgruppe dar. Diese Generation hat bereits Erfahrungen mit den Studien- und Arbeitsmöglichkeiten, die ihr die Europäische Union bietet. Es handelt sich um die erste Generation, die daran gewöhnt ist, sich als “europäisch” zu betrachten und problemlos auch für längere Zeiträume umzusiedeln.
Besondere Aufmerksamkeit wird auch Kindern und Jugendlichen, das heißt den zukünftigen Europäern, gewidmet.

5. Betrieb und Organisation

Da die Europäische Bibliothek einer gemeinsamen Initiative der Institute und Kulturabteilungen der diplomatischen Vertretungen verschiedener europäischer Länder und der Institution Biblioteche del Comune di Roma entspringt, handelt es sich um ein europäisches Kooperationsprojekt. Sie ist Teil des Bibliotheksnetzes der römischen Stadtverwaltung und damit eine öffentliche Bibliothek, die den Grundbedarf an Informationen abdeckt aber dennoch eine spezialisierte Tendenz aufweist.
Die wissenschaftliche und kulturelle Leitung wird ein wissenschaftlicher Beirat übernehmen, der alle Länder vertritt und die allgemeine Zielsetzung definiert. Die verwaltungstechnische Leitung obliegt der Comune di Roma – Istituzione Biblioteche, die auch das Personal zur Verfügung stellen wird, um einen einwandfreien Bibliotheksbetrieb zu garantieren.
Die Kulturinstitute werden die Europäische Bibliothek aktiv unterstützen, indem sie einen Teil der eigenen Ressourcen zur Verfügung stellen (sprachliche und fachliche Kompetenz des Personals, kulturelle Kontakte zum eigenen Land, Medienbeschaffung und Dienstleistungsangebot).
Bestand
Die Europäische Bibliothek strebt einen Bestand von etwa 28.000 Medieneinheiten an. Zum Bestandsaufbau werden die Kulturinstitute und die Kulturabteilungen der diplomatischen Vertretungen der europäischen Länder in Rom beitragen. Die einzelnen Institute werden die Titelauswahl aktiv unterstützen. Vorrangig sollen Titel ausgewählt werden, die einen wichtigen Ausdruck der jeweiligen Landeskultur darstellen und zur Entwicklung der Europäischen Identität beitragen. Ziel ist der Ausdruck einer „transnationalen Kultur“ durch die kulturelle Vielseitigkeit des Bestandes. Hier soll eine gemeinsame Identität erfahrbar werden, die sich in den Werten eines friedvollen Europas wieder erkennt und die der Kooperation und dem Dialog mit anderen Kulturen offen gegenübersteht.
Der Bestand soll alle Länder gleichberechtigt vertreten und offen für die Aufnahme von Werken weiterer Länder sein. Ein nach diesen Kriterien angelegter Medienbestand ersetzt nicht den der einzelnen europäischen Kulturinstitute, im Gegenteil: er dient als Möglichkeit, den eigenen Bestand aufzuwerten, zu fördern und einem breiteren Publikum zur Verfügung zu stellen. Der Bestand der Europäischen Bibliothek soll den Grundbedarf an Information für alle Themengebiete abdecken. Für tiefer greifende Informationen wird der Leser an die entsprechenden Stellen oder Ansprechpartner verwiesen. Die italienische Sprache nimmt eine Vermittlungsfunktion zwischen den Sprachen ein. Der Großteil des Bestandes umfasst Texte in den vier europäischen Hauptsprachen Französisch, Englisch, Spanisch, Deutsch. Hinzu kommt eine Sektion mit fremdsprachigen Medien der anderen Landesvertretungen.
Siebzig Prozent der Medien werden in den jeweiligen Fremdsprachen angeboten, dreißig Prozent in italienischer Sprache (Übersetzungen der Werke der EU-Länder, Konsultationswerke, geschichtliche, geographische, juristische Texte und Dokumente mit Informationen und Anhaltspunkten zu den einzelnen Staaten). Die Bereitstellung von bibliographischen und audiovisuellen Ressourcen in den offiziellen europäischen Sprachen ist vorgesehen.
Dienstleistungen
Die Europäische Bibliothek bietet einen strukturierten Zugang zu konventionellen sowie digitalen Medien. Die via Internet verfügbaren Informationen (Zugang zu Katalogen, Webseiten) werden ausgewählt, aufbereitet und bekannt gemacht. Ziel der Organisatoren ist es einerseits ein Angebot von Grundinformationen über die Mitgliedstaaten (Kultur, Gesellschaft, Kunst, Recht, Geschichte, Geografie, Wirtschaft, Sprache) und andererseits den Zugang zu den Bibliothekskatalogen der Kulturinstitute und der verschiedenen Staaten zur Verfügung zu stellen. Somit können sowohl Basis- als auch Fachinformationen bereitgestellt oder ggf. beschafft werden.
Dienstleistungsangebot:
    - Information und Grundorientierung
    - Konsultation des Bestandes vor Ort
    - Ausleihe
    - Fernleihe
    - qualifizierte Auskünfte
    - bibliographische Recherchen
    - Zeitschriftenangebot
    - Kulturveranstaltungen
    - Initiativen zur Förderung der einzelnen Sprachen
Kinder- und Jugendbestand
Dank der Abteilung Kinder- und Jugendbücher kann die Europäische Bibliothek eine erzieherische und bildende Rolle gegenüber den zukünftigen Europäern einnehmen. Die ganz Kleinen sollen über eine klar identifizierbare, gemütliche und informelle Räumlichkeit verfügen, die zum Lesen oder Anschauen der Bücher einlädt.
Der Kern der Sammlung liefert einen allgemeinen Überblick über die EU-Länder und betont deren Besonderheiten sowie deren geschichtlich-kulturelles Erbe. Die Europäische Bibliothek soll die Vielseitigkeit von Ideen, Autoren und Verlagsangeboten hervorheben und Möglichkeiten der Wissenserweiterung und/oder der Orientierung in jenen Themengebieten, die europäische Jugendliche interessieren, aufzeigen. Auf Austausch- und Interaktionsmöglichkeiten sollen besonders hingewiesen werden.
Dienstleistungsangebot:
    - Konsultation
    - Ausleihe
    - qualifizierter Auskunftsdienst und Hilfestellung für Kinder und Jugendliche bei der Orientierung                    innerhalb des Bibliotheksbestandes
    - zielgruppengerechte Zeitschriftensammlung
    - Initiativen zur Leseförderung in Anlehnung an die anderen allgemeinen Bibliotheksveranstaltungen
   - Zusammenarbeit mit den Schulen, um die Jugendlichen für europäische Sprachen zu begeistern, Kenntnise über die sozialen und kulturellen Reichtümer zu verbreiten und Interesse am interkulturellen Austausch zu wecken.
Website
Die Website der Europäischen Bibliothek (www.bibliotecaeuropea.it) stellt das Bibliothekskonzept vor und informiert über die Dienstleistungen der Bibliothek und deren Partner. Sie soll den einfachen Zugang zu den angebotenen Dienstleistungen gewähren: zum Katalog, zu bibliographischen Datenbanken, zur Anmeldung, zur Fernleihe, zum Auskunftsdienst u.s.w.
Die Promotions- und Kommunikationsfunktion der Website soll bereits vor Eröffnung der Europäischen Bibliothek wahrgenommen werden und bereits einige Monate zuvor einen virtuellen Einstieg in die Welt der europäischen Kulturen gestatten.
Kulturveranstaltungen
Die Europäische Bibliothek lebt vom Kooperationsgedanken. In diesem Sinne werden alle stattfindenden Kulturveranstaltungen und deren fördernde Mitglieder unter dem einheitlichen Logo der Europäischen Bibliothek präsentiert. Diejenigen Länder und Institute, die die entsprechende Veranstaltung organisieren, werden selbstverständlich besonders hervorgehoben. Ferner sollen thematische Schwerpunkte helfen, gemeinsame Veranstaltungen anzubieten und den Bestand der Bibliothek zu bereichern.
Die Europäische Bibliothek versteht sich als “Fenster“ zu den verschiedenen Staaten und möchte den gegenseitigen Vergleich und Austausch unterstützen. Die Gestaltung von Schaukästen, ist eine der wichtigsten Tätigkeiten der Europäischen Bibliothek und fördert vorwiegend die Präsentation aller Mitgliedsstaaten.
Veranstaltungen sollen dazu dienen, gemeinsame kulturelle Wege zu erörtern. Es sollen Begegnungen und Dialoge zwischen verschiedenen Bereichen und Staaten unterstützt werden. Gesamteuropäischen Themen wird dabei der Vorzug gegeben.

6. Personal

Die Kenntnis von mindestens zwei Fremdsprachen ist unabdingbare Voraussetzung für Konsultationsdienstleistungen. Das Personal der Europäischen Bibliothek muss diese Voraussetzung erfüllen.
Über unentbehrliche bibliothekswissenschaftliche Kenntnisse hinaus werden Fähigkeiten zur interkulturellen Kommunikation und Sachverstand bei der Recherche von Kulturorten in Italien und in Europa vorausgesetzt. Besonders wichtig ist also die professionelle Zusammenarbeit mit Bibliothekaren, Dokumentaren und Kulturspezialisten der Europäischen Institute.
Einzelne Fakultäten von römischen und auswärtigen Universitäten und deren italienische und ausländische Studenten sollen zu Rate gezogen werden, um Recherchen über spezifische Aspekte in die Wege zu leiten und um den Entwicklungsprozess der Europäischen Bibliothek wissenschaftlich zu begleiten.

7. Sitz

Sitz der Europäischen Bibliothek wird die aktuelle Bibliothek des Goethe-Instituts Rom in der Via Savoia 15 sein. Die Bibliothek hat eine Fläche von ca. 600 qm und liegt im Erdgeschoss. Sie verfügt über einen separaten Zugang. Es handelt sich um einen großen Raum, in dem eine Treppe zur integrierten Galerie führt.
Die Europäische Bibliothek soll folgende Elemente enthalten: Empfang (Information, Einschreibung, Ausleihe, Garderobe); Kataloge; Neuerscheinungen und „Leserouten“; Zeitschriftensammlung; Lesesaal und Bücherregale; Mediathek; Abteilung für Kinder und Jugendliche.
Das Goethe-Institut Rom stellt die oben beschriebenen Räumlichkeiten der Institution Biblioteche del Comune di Roma auf der Basis eines Nutzungsvertrages zur Verfügung.

8. Logo

Die Europäische Bibliothek präsentiert sich unter einem eigenen Logo, welches als sofortiges Erkennungszeichen der angebotenen Dienstleistungen und Veranstaltungen dient und Garant für Qualität und stetige Weiterentwicklung sein soll. Unter dem Logo Biblioteca Europea werden alle Veranstaltungen und Initiativen vorgestellt, die von den fördernden Mitgliedern finanziert werden und der Zielsetzung der Europäischen Bibliothek entsprechen.
Der wissenschaftliche Beirat legt Kriterien fest, im Rahmen derer die Nutzung des Logos erlaub ist. Die Kulturinstitute und diplomatischen Vertretungen benutzen das Logo in eigener Verantwortung für Kulturveranstaltungen im Rahmen des Konzepts der Europäischen Bibliothek. In allen anderen Fällen muss die Erlaubnis des wissenschaftlichen Beirats eingeholt werden.